Review: Angel Beats! Vol. 1

Engel werden in vielerlei Hinsicht als übernatürliche und gute Wesen dargestellt. TV-Serien wie Supernatural gehen da ein Stück weiter und präsentieren sie als zwiespältige Diener Gottes. Angel Beats! knüpft an diese Theorie an und stellt uns einen durchtriebenen Engel vor.

Eines Nachts wacht der junge Otonashi auf dem Gelände einer ihm fremden Schule auf. Kurz darauf wird er mit einem Mädchen konfrontiert, welches Jagd auf einen weiblichen Engel macht. Otonashi erkennt, dass er das nicht träumt und so gesteht er sich selbst ein, dass er wohl tot sei. Als der Engel ihn jedoch tötet und er morgens im  Krankenzimmer der Schule wacht, versteht er die ihm bekannten Gesetze der Physik nicht mehr. Er beschließt, Yurippe, das Mädchen aus der Nacht zuvor, aufzusuchen und schließt sich nach anfänglichem Zögern ihrer Front an, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Engel zu töten. Während sich die Freunde den Tag über auf dem Schulgelände tummeln, dem Schulunterricht folgen und an Prüfungen teilnehmen, überlegen sie sich nach den Aktivitäten, wie sie die Dienerin Gottes besiegen können. Diese ist nämlich mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet und macht keinen Halt davor, diese einzusetzen und Otonashi und seine Freunde immer und immer wieder aufs Neue umzubringen. Um Gegenwehr zu leisten, wird die Front durch eine unterirdische Gilde mit Waffen beliefert, die in den Auseinandersetzungen zum Einsatz kommen. Da die Front nichts zu verlieren hat und abseits der Kämpfe lediglich die Schulregeln zu befolgen hat (ansonsten drohe eine unausweichliche Auslöschung), entfacht fast täglich immer und immer wieder derselbe Kampf gegen den Engel.

Kleine Kulisse

Die ersten fünf Episoden von Angel Beats! handeln fast ausschließlich von der Front, welche ihren Namen grundsätzlich jede Woche aufs Neue ändert, um irgendwann vielleicht einmal einen passenden Titel für die Widerstandsbewegung zu finden. Mit unterschiedlichen Mitteln, entweder durch den Einsatz durch Waffengewalt, einer Baseball-Herausforderung oder durch Betrügereien in den Prüfungen, geht die Front gegen das fast göttliche Wesen vor. Dabei lockt uns der Anime immer wieder ein Schmunzeln aufs Gesicht, wenn zum Beispiel alle anderen Schüler plötzlich als Nichtspielercharaktere bezeichnet werden, da diese nicht gestorben sind und nur zur glaubhaften Verzierung in der Welt von Angel Beats! existieren. In einer anderen Situation wird Otonashi von einem Frontmitglied ganze einhundert Mal in Folge mit einem riesigen Beil getötet – dabei läuft dann wiederum ein Zähler am unteren Bildschirmrand. Die vielen Hommagen an Videospiele oder Filme unterstützen den Humor des Anime an vielerlei Stellen. Der Rest wird dann von den unterschiedlichen Charakteren erledigt, die mit viel Witz, aber auch Ernsthaftigkeit überzeugen können. Sämtliche Dialoge zwischen den Charakteren würden sogar wunderbar in den Schul- und Nachmittagsalltag einer realen Clique passen (der Inhalt der Gespräche wäre natürlich als ersetzt anzusehen). Obwohl Angel Beats! mit einer sehr interessanten Geschichte punktet, wird diese nur wenig zusammenhängend an den Zuschauer vermittelt. Das liegt vor allem an der bisher recht kleinen Welt.

Engelsgleicher Anime

Das Internat lässt zwar im Grunde genügend Freiraum für die gesamte Storyline, doch mit Hogwarts aus den Harry-Potter-Romanen lässt sich die Schule keinesfalls vergleichen. Da sich der Hauptcharakter allerdings nicht an sein früheres Leben erinnern kann, bietet der Anime zumindest etwas, worauf er hinarbeiten kann. Optisch besticht der Anime mit wunderschön gezeichneten Hintergründen und wunderbar und mit vielen Animationen in Szene gesetzten Charakteren. Selbst Nebencharaktere sind ähnlich gut gezeichnet, wobei unwichtige Persönlichkeiten dezent im Hintergrund verbleiben. Das im 16:9-Format gehaltene Bild wird mit einer Tonspur in Dolby Digital 2.0, sowohl in Deutsch, als auch in Japanisch unterlegt. Während Anime-Fans die japanische Originaltonspur (wahlweise mit Untertiteln) bevorzugen werden, punktet die deutsche Synchronisation mit bekannten Stimmen, wie etwa die von Tim Sander für die Rolle des Hinata. Der Soundtrack passt sich derweil passend dem Geschehen an. So ist jederzeit eine stimmige Atmosphäre gewährleistet. Besonders die mit tollem Gesang unterlegten Stücke sind ein echtes Highlight in der gesamten Anime-Szene. Während in der ersten Ausgabe von Angel Beats! nur die ersten fünf Episoden enthalten sind, folgen in den nächsten beiden Boxen die anderen acht Folgen.

Nutzloses Bonusmaterial

Eine Episode ist ungefähr 23 Minuten lang, die Pilotfolge sogar zwei Minuten länger. Am Ende einer jeden Folge erhält der Zuschauer einen Ausblick auf die nächste Ausgabe. In der Serie selbst ist dies ein weißes Bild, welches mit japanischen Schriftzeichen alsbald gefüllt wird und wobei im Hintergrund quer durcheinander gesprochene Dialoge ertönen. Als Bonusmaterial liegen diese Ausblicke sogar mit Szenen aus der jeweiligen Episode vor. Eine Episode haben (vermutlich) die Synchronsprecher auch mit einem Audiokommentar unterlegt, welchen wir allerdings nicht als empfehlenswert erachten. Im über die ganze Episode erstreckenden Audiokommentar findet keine ordnungsgemäße Vorstellung statt und anstatt über den Anime zu diskutieren oder Hintergrundwissen zu vermitteln, halten sich die Stimmen hinter dem Mikrofon mit sehr langweiligen Witzen und nutzlosen Informationen auf. Warum dies das Entwicklerstudio Progressive Animation Works zugelassen hat, verstehen wir nicht. Abseits dieses Mankos können wir den Anime (der hierzulande übrigens nur auf DVD und nicht auf Blu-ray erschienen ist) allerdings jedem empfehlen, der mit Ungereimtheiten leben kann und sich in den restlichen Episoden vielleicht das eine oder andere Mal überraschen lassen möchte. Wer das Intro und das Outro des Animes ohne störende Texte ansehen beziehungsweise anhören möchte, hat ebenfalls die Möglichkeit dazu.  Uns hat Angel Beats! Vol. 1 neugierig auf weitere Abenteuer mit Otonashi, Yurippe und dem Engel gemacht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Im Vorfeld geht es bei einem Anime für mich eigentlich immer um die Präsentation. Ich mag es, wenn die Hintergründe einen Stil wie etwa bei The Garden of Sinners, Mein Heimatland Japan oder Das Mädchen, das durch die Zeit sprang aufweisen und dazu noch mit der modernen japanischen Kultur spielen. Dies ist bei Angel Beats! Vol. 1 der Fall und so hat die Serie aus dem Land der aufgehenden Sonne direkt meine Aufmerksamkeit gewonnen. Die Geschichte rund um Otonashi, Yurippe und Konsorten hat mir zu Beginn sehr gut gefallen, doch schon kurz darauf ist sie schnell abgeflaut, da für mich zu oft eher unwichtige Punkte das Geschehen stören. Eigentlich mag ich so etwas, doch da die Serie auf dreizehn kurze Episoden ausgelegt ist, bin ich eher der Meinung, dass man alles wichtige auch in einen abendfüllenden Film stecken könnte. Ich bin deshalb schon sehr darauf gespannt, wie sich die Handlung entwickeln wird. Optisch und akustisch schafft es der Anime jedenfalls schon mal, mich auch bei den letzten Episoden durchgehend bei Laune zu halten, sofern keine gravierenden Änderungen stattfinden werden. Abschließend möchte ich mich noch über den lächerlichen Audiokommentar des Animes auslassen. Da Audiokommentare bei Animes nämlich relativ selten sind (zumindest hierzulande), habe ich mich auf diesen sehr gefreut und wurde im Nachhinein richtig enttäuscht. Da finde ich selbst Uwe Bolls Audiokommentare von seinen Filmen lustiger, wo er unter anderem bei der Aufnahme der Tonspur einfach mit seiner Produktionsfirma telefoniert. Das, was für die erste Angel-Beats!-Episode gemacht wurde, ist bei weitem nicht damit zu vergleichen. Hoffentlich erwartet mich so ein Ausfall nicht bei der nächsten DVD von Angel Beats!, denn darauf kann ich getrost verzichten.

Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Angel Beats! Vol. 1!

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Preview: Resident Evil: Revelations

Es ist Nacht. Unser Protagonist durchkämmt ein Herrenhaus und muss dabei einen dunklen Korridor durchqueren. Nichtsahnend brechen plötzlich die Fensterscheiben auseinander! Bluthunde rasen auf uns zu. Mühselig versuchen wir sie mit Schüssen abzuwehren, doch zu spät. Sie töten uns.

So und vermutlich nicht viel anders werden ältere Spieler einen der berühmtesten Momente in der Videospielgeschichte erlebt haben. Resident Evil begründet seinerzeit auf der PlayStation das Survival-Horror-Genre gänzlich neu. Jahr für Jahr erscheinen weitere Teile von Capcoms neuer Gruselserie, zudem auch jede Menge Spin-Offs. 2005 wandelt sich die Serie vom einst recht langsamen Spielprinzip hin zu purer Action. Obwohl dem einen oder anderen Fan diese Änderung nicht gefallen hat, steht unweigerlich fest, dass die Entwickler mit Resident Evil 4 ein Meistwerk geschaffen haben. 2009 erschien mit Resident Evil 5 ein weiteres Spiel, dass die Ursprünge noch weniger eingefangen hat. Vor wenigen Tagen wurde dann Resident Evil 6 angekündigt und obwohl es bisher nur einen Trailer zusehen gab, können wir wohl deutlich davon ausgehen, dass auch hier wieder die Action dominieren wird. Am 27. Januar 2012 ist es aber trotzdem wieder an der Zeit, das alte Gefühl von damals, zumindest ein wenig aufleben zu lassen. Dank der im eShop veröffentlichten Demoversion von Resident Evil: Revelations konnten wir bereits ein paar Tage früher ein relativ gutes Bild vom mittlerweile fertigen Spiel machen. Angesiedelt zwischen dem vierten und fünften Teil der Resident-Evil-Reihe, schlüpfen wir in der Demo in die Rolle von Jill Valentine und müssen uns auf einem mysteriösen Geisterschiff zu unserem Kollegen durchkämpfen.

Gedächtnislücken

Unsere Protagonisten hat keine Erinnerung, wie sie in den verschlossenen Raum gekommen ist. Versuche, die Tür zu öffnen, schlagen fehl. Schnell bemerken wir eine Vorrichtung an der rechten Türseite. Um diese Vorrichtung zu öffnen, ist allerdings ein Schraubenzieher notwenig. Wir sehen uns im Raum um: Fehlanzeige! Im Bad haben wir da schon mehr Glück. In der Badewanne befindet sich abgestandenes Wasser, was wir ablaufen lassen und siehe da – am Boden des Beckens liegt das gesuchte Werkzeug. Jetzt könnten wir die Vorrichtung im Vorraum öffnen, doch ein mit Viren verseuchtes Monster ist im Nebenraum aus dem Schrank gekrochen. Viel Zeit zu Handeln bleibt da nicht. Wir schießen fast unser gesamtes Magazin leer. Notfalls hätten wir auch die Möglichkeit, mit einem Messer auf die Bestie loszugehen. Dies hilft allerdings nicht viel, denn der Abschaum macht keinen Halt davor, unsere Körperteile der Reihe nach verspeisen zu wollen. Nach dem Ableben des Monsters entdecken wir im Schrank neue Munition, die wir schleunigst aufnehmen sollten, denn auch in diesem Spiel herrscht wieder einmal Munitionsknappheit. Jede Patrone kann für unser Überleben entscheidend sein. Der Überlebenskampf gewinnt somit also endlich wieder mehr an Bedeutung. Klasse! Da kommt es ebenfalls zu gute, dass wir nur sehr selten auf Heilkräuter stoßen, mit denen wir uns verarzten können.

Der Tod lauert überall

Uns freut es, dass wir die Kräuter mitten im Geschehen einsetzen können. Energieleisten sind in Revelations aber fehl am Platz. Um den Zustand unseres Charakters einzuschätzen, ist es wichtig, ihn genauestens zu beobachten. Sobald sich Jill etwa an ihre Hüfte packt, scheint der Zustand ernst zu sein. Fortan ist Vorsicht geboten und Heilungsmaßnahmen sollten von uns schleunigst ergriffen werden, doch zurück zu unserer misslichen Lage. Nachdem wir den Schraubenzieher gefunden haben, können wir die Abdeckung der Vorrichtung aufschrauben. Dazu tippen wir die vier einzelnen Schrauben einfach auf dem Touchscreen des 3DS an. Nun sind ein paar Schaltkreise zu sehen, die wir geschickt anordnen müssen, damit die Sicherung der Tür unterbrochen wird und wir in den nächsten Raum vorstoßen dürfen. Schlürfgeräusche sind im Hintergrund zu vernehmen und bereiten uns ein mulmiges Gefühl, schließlich könnte hinter jeder der nächsten Ecken der Tod lauern. Vorsichtig bewegen wir uns von einem Raum zur nächsten Kammer. Hin und wieder stoßen wir hier auf neue Munitionsvorräte, die an der einen oder anderen Stelle wirklich komisch verteilt sind. Kaum jemand würde Pistolenkugeln samt Packung auf einem Tisch mitten in einem Ballsaal vermuten. Da ist das Gewehr im Lagerraum, das bei den Gegnern deutlich mehr Schaden anrichtet, schon viel besser verstaut. Später sammeln wir, selbstverständlich nur zur Selbstverteidigung, auch Granaten ein, die den Feinden das Fürchten lehren.

Beeindruckender Ersteindruck

Um wirklich alle Objekte zu entdecken, stoßen wir in der Demo schon früh auf einen Item-Radar. Mit diesem dürfen wir uns frei im Raum umschauen. Sobald ein verwertbarer Gegenstand geortet werden kann, schlägt das Radar aus. Eine clevere Idee, die hoffentlich das eine oder andere Mal essentiell sein wird, um einem vorzeitigen Ableben vorzubeugen. Bisher konnten wir nämlich alle Items schnell und leicht aufspüren. Das ändert vielleicht der einstellbare Schwierigkeitsgrad, den wir in der Probierversion leider nicht ändern konnten. Die Steuerung funktioniert über die Tastensteuerung und den Touchscreen relativ gut, doch ist das Auswählen der Items und das Nachladen der Waffen teilweise etwas umständlich ausgefallen. Sobald man sich daran aber gewöhnt hat, so denken wir, könnte man sicherlich deutlich schneller in den jeweiligen Situationen reagieren – schließlich ist das für Revelations unabdingbar. Zusätzlich wird das Spiel mit dem Circle Pad Pro spielbar sein, welches einzeln oder auch im Bundle mit Revelations erscheinen wird. Optisch macht das Spiel dank des Tiefeneffekts einen sehr guten Eindruck. Aus der Verfolgsperspektive haben wir echt das Gefühl, dass die Räumlichkeit zum Greifen nahe sind. Hier hat Capcom ebenso gute Arbeit geleistet, wie die englischen Synchronsprecher. Hierzulande soll das Spiel übrigens auch komplett auf Deutsch vertont sein. Wir sind schon sehr gespannt, wie sich die deutschen Sprecher in Resident Evi: Revelations machen werden, denn hier sehen wir nach einer halben Stunde Spielzeit den einzigen (wirklichen) Schwachpunkt, an dem der Titel scheitern könnte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-3DS-Demofassung): Selten war ich von einem Spiel bereits in der Demo so angetan, wie es bei Resident Evil: Revelations der Fall ist. Die schaurigschönen Hintergrundgeräusche, der Kampf ums nackte Überleben, gelegentliche Rätseleinlagen und gewisse Schreckmomente machen Lust auf mehr – nach viel mehr! Gerne würde ich die Vollversion schon jetzt in den Händen halten, doch dafür muss ich mich wohl noch ein paar Tage gedulden. Obwohl ich von der Steuerung (aus der letzten Demo, die Resident Evil: The Mercenaries 3D beilag) damals noch nicht so viel abgewinnen konnte, funktionierte dies in der neuen Fassung nochmals besser. Ich bin aber trotzdem sehr gespannt darauf, wie sich die Steuerung mit dem Circle Pad Pro anfühlt. Revelations wird zumindest erst einmal der Titel sein, der für die neue Hardware konzipiert ist. Jene, die sich die zusätzliche Peripherie nicht zulegen möchten, müssen aber nicht besorgt sein. Die jetzige Steuerung, wenn sie denn unverändert in die finale Version übernommen wird, funktioniert bereits sehr gut, wenn auch nicht gänzlich perfekt. So oder so – Resident Evil: Revelations hat das Zeug dazu, eines der schönsten, spannendsten und abwechslungsreichsten Titel für den kleinen Handheld aus dem Hause Nintendo zu werden!

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Review: Fallout: New Vegas

Nach dem Krieg ist bekanntermaßen vor dem Krieg! Kaum ist der fiktive Atomkrieg vorbei und die Erde so langsam wieder betretbar, fangen die Streitigkeiten wieder von vorne an – im Fallout-3-Nachfolger geht es nach Las Vegas, oder viel mehr was davon übrig ist.

Während wir in Fallout 3 noch als frisch geborener Säugling in der Vault krabbeln durften, um dann nach und nach alles Lebenswichtige zu lernen, beginnt der neueste Teil der Serie mit dem anderen Ende des Lebens, nämlich mit dem Tod der Spielfigur. Wir bekommen zunächst aus unerklärlichen Gründen einen Kopfschuss verpasst, doch das Spiel endet nicht und wir werden nur mühsam vom ortsansässigen Doktor des nächstgelegenen Dörfchens Goodsprings wieder zusammen geflickt. Dort beginnt unsere Reise durch das postapokalyptische Amerika, denn schließlich wollen wir wissen, warum man uns umbringen wollte. Wie es der Titel des Spiels dann auch vermuten lässt, haben wir aber auch schon ein spezielles Ziel im Auge – Vegas oder besser gesagt New Vegas. Fallout-Kenner wissen, dass Nevada vom Atomkrieg nicht so stark betroffen wurde, wie der Rest der Vereinigten Staaten. Während fast die komplette Landschaft in Schutt und Asche liegt, hat es die Stadt der Lichter und der Laster erstaunlicherweise geschafft, intakt weiter zu existieren. Unter der Herrschaft des mysteriösen und steinalten Mr. House, wird New Vegas beziehungsweise der Hoover Staudamm, mit dem sich die Stadt kontrollieren lässt, zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, denn auch die einflussreichen Fraktionen der Republik Neu Kalifornien und Caesar’s Legion wollen die Stadt unter ihre Gewalt bringen. Wer von den Dreien die Macht erhält oder ob sich sogar noch eine vierte Möglichkeit auftut, können wir maßgeblich mitbestimmen.

Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas

Fallout: New Vegas ist ein Rollenspiel wie es im Buche steht. Im gesamten Spiel haben wir derart viel zu entdecken, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Schon zu Beginn können wir zwar schnurstracks der Haupthandlung folgen, aber auch einfach auf eigene Faust durch das Ödland ziehen und auf Tier- und Banditenjagd gehen. Immer dabei ist unser Pip-Boy, unsere überdimensionale High-Tech-Armbanduhr, die wirklich alles kann und uns zum Beispiel eine Übersicht zu unserem Status, eine Möglichkeit zum Craften oder Zugang zu einem Zielprogramm, dem Vault Tec Assisted Targeting System gibt, welches uns besonders in hitzigen Auseinandersetzungen behilflich ist. Kämpfen wir gegen einen (oder mehrere) Gegner, können wir über dieses System bestimmte Körperteile anvisieren, um einen Gegner direkt an seinem Schwachpunkt zu treffen. Letztlich führen aber alle Wege nach Rom beziehungsweise in diesem Falle nach New Vegas. Dort finden wir auch alles, was wir zum vergnüglichen Leben brauchen – Sex, Drogen und erlaubtes Glücksspiel. Wollen wir etwas mehr Herausforderung in das Spiel bringen, sind dies jedoch nicht die einzigen Dinge, um die wir uns kümmern müssen. Neu für die Fallout-Serie ist der sogenannte Hardcore-Modus. Dieser bringt allerlei Limitationen mit, die uns mehr oder weniger das Leben schwer machen. Insbesondere Durst, Hunger und Müdigkeit wollen dabei beachtet werden – andernfalls kann mitunter der Tod auf uns lauern. Auch wenn dieser neue Modus auf den ersten Blick nichts Revolutionäres darstellt, bringt er uns doch oftmals zum stärkeren Taktieren.

Ein abgekartetes Spiel

Kommen wir zu der dunklen Seite des Ödlands. Technisch finden sich in Fallout: New Vegas keinerlei Fortschritte zum direkten Vorgänger. Das heißt Bugs, Bugs und nochmals Bugs! Anderen Spielen wird durch solche Fehler das Genick gebrochen, doch all das Feeling und die Story, die Fallout: New Vegas ausmachen, kann die Bugs zumindest ansatzweise in der Versenkung verschwinden lassen. Während die Animationen und Grafiken ebenso negativ auffallen, ist der Soundtrack ein wahrer Ohrenschmaus. Urgesteine wie Dean Martin oder Frank Sinatra geben sich die Klinke in die Hand und machen das Streifen durch die Ödnis bei entspannter Musik der frühen Sechziger Jahre zu einem wahren Genuss. Dies ist und bleibt eines der Markenzeichen der Fallout-Serie! Die Zeit, die wir im Ödland verbringen dürfen, liegt laut Entwickler bei über einhundert Stunden. Auf die Stunde genau nachgeprüft haben wir die aufgebrachte Testzeit nicht, will man aber alle Enden sehen und nebenbei auch alle möglichen Quests erledigen, so benötigt man zumindest vier Anläufe. Zusammengenommen schlucken diese locker die angepriesene Spielzeit. Nur wenige andere Spiele können von sich behaupten, dass sich eine derart hohe Spielzeit wirklich auszahlt, Fallout: New Vegas gehört zum Glück zu jenen Titeln. Mit zahlreichen Nebenquests, verrückten Charakteren und stimmiger Musik lässt uns der neueste Teil der Serie jede Spielminute genießen. Der Titel gehört definitiv in jede gute und postapokalyptisch sortierte Rollenspielsammlung!

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Ich habe leider nur selten die Zeit, mich einem Rollenspiel komplett zu widmen – da spricht es eindeutig für Fallout: New Vegas, wenn ich vor kurzem bereits meinen zweiten Durchlauf gestartet habe. Während der Vorgänger ja nicht mehr bei den Fallout-Urvätern entwickelt wurde, ist die Serie nun wieder zu einhundert Prozent in den Händen von Feargus Urquhart und Co – das tut der Serie auch gut. Die besten Elemente der verschiedenen Ableger der Serie werden passend vermengt und bilden eines der besten Spiele des letzten Jahres. Zudem bringt der neue Hardcore-Modus noch einmal eine ganze Ecke mehr Taktik ins Geschehen. Wirklich faszinierend ist und bleibt aber eines der Hauptelemente der Fallout-Serie, welches man in viel zu wenigen Spielen wiederfindet. Der direkte und umfassende Einfluss der eigenen Handlungen auf die Story und die Nichtspielercharaktere, trägt ungemein zum Feeling des Spiels bei und bringt mich auch letztlich zum mehrfachen Durchspielen. Eines habe ich in diesem Spiel schnell gelernt: Man kann es nicht allen Recht machen und somit ist es auch nicht möglich, alle Quests in einem Durchgang zu erledigen. Übrigens können alle Interessierten mittlerweile den Titel nicht nur günstiger bekommen, sondern es wurde vor wenigen Tagen auch der neueste Download Content zu Fallout: New Vegas veröffentlicht – ein Grund mehr für mich, wieder in die Mojave-Wüste zurückzukehren.

Vielen Dank an Namco Bandai für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Fallout: New Vegas!

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Review: Resident Evil: The Mercenaries 3D

Es kommt nicht selten vor, dass Hersteller versuchen, berühmte Marken ihres Repertoires auszuschlachten. Da die Resident-Evil-Reihe derzeit ihre wohl verdiente Pause einlegt, hat sich Capcom letzten Sommer wohl gedacht, das Mercenaries-Minispiel aus Teil 4 und Teil 5 der Hauptreihe einzeln zu vermarkten – inklusive einer Demo zu Resident Evil: Revelations!

Eine Handlung sucht man in Resident Evil: The Mercenaries 3D vergeblich, denn in diesem Spiel geht es nicht um eine gut erzählte, spannende, schockende oder gar weltbewegende Story, sondern um das sinnlose Dezimieren der feindlichen Gegnerhorden. In der Rolle bekannter Resident-Evil-Helden und -Bösewichtern, wie etwa Chris Redfield, Jill Valentine oder Jack Krauser, bekämpfen wir in fünf Spielabschnitten mit unterschiedlicher Missionsanzahl gegen die Las Plagas aus dem vierten und gegen die Majinis aus dem fünften Serienteil. Ausgerüstet mit Pistolen, Gewehren und Granatwerfern geht es den Infizierten unter Zeitdruck an den Kragen, um möglichst viele Punkte für den Highscore zu erreichen. Während die meisten Gegner nach ein paar gezielten Schüssen umfallen, halten einige ihrer Artgenossen deutlich mehr aus. Da wachsen nach dem Ableben plötzlich tentakelartige Lebensformen aus ihren abgetrennten Köpfen heraus oder platzen auch schon mal auf, wenn sie das Zeitliche segnen. Vor ganz gefährlichen Feinden, wie etwa Kettensägen schwingende Gegner, müssen wir uns ganz besonders in Acht nehmen. Hier kann jede direkte Begegnung die letzte sein.

Kampfgetümmel

Selbstverständlich gibt es auch in The Mercenaries 3D wieder einige Items, die unser Arsenal vervollständigen. Während wir uns mit grünen Kräutern serientypisch heilen dürfen, greifen wir zu Blendgranaten, um uns Vorteile im Kampf zu sichern. Außerdem dürfen wir Minen auf den Boden legen, die sofort explodieren, sobald jemand über sie hinweg läuft. Eine ähnliche Explosion können wir auslösen, sofern wir auf herumstehende Ölfässer schießen, die mit nur einem Schuss explodieren und im besten Falle gleich eine ganze Gegnerkompanie auslöschen. Es nützt uns allerdings nicht, immer nur an einem Ort zu verweilen und anstürmende Gegner zu töten, denn unsere Feinde attackieren uns von allen Seiten und da wir im Hinterkopf keine Augen haben, müssen wir ständig in Bewegung sein. Leider werden unsere Gegner nämlich nicht auf der Minimap angezeigt, was durchaus für die eine oder andere suboptimale Situation sorgen kann. Es gilt hier also gut auf die Umgebungsgeräusche zu hören, denn wenn wir hier eine Kettensäge vernehmen, sollten wir schleunigst den besagten Gegner ausfindig machen, um uns danach wieder voll und ganz auf das Geschehen zu konzentrieren.

Highscore-Jagd

Die spielbaren Gebiete wurden teils 1:1 aus Resident Evil 4 und Resident Evil 5 übernommen oder erinnern uns zumindest an diese. Es ist schade, dass Entwickler Capcom sich hier nicht mehr Mühe gemacht und uns völlig neue oder Gebiete aus anderen Teilen der Reihe spendiert hat. Trotzdem wirken die meisten Level-Strukturen gut durchdacht und können relativ schnell auswendig gelernt werden, um zukünftig bessere Highscores aufstellen zu können. Wenn man weiß, wo sich Abkürzungen, Leitern und Standorte der Zeit verlängernden Objekte befinden, spielt es sich direkt durchaus leichter. Bestzeiten aufzustellen ist im Übrigen auch unsere Hauptaufgabe in diesem Spiel, sprich wir müssen nur genügend Gegner hintereinander erledigen, um damit den Punkte-Multiplikator in die Höhe zu treiben. Am Ende eines jeden Levels erhalten wir dann eine Übersicht, wie viele Punkte wir erreicht haben und somit wie gut wir den Level gemeistert haben. Erreichen wir genügend gute Bewertungen, schalten wir einerseits neue Spielabschnitte und andererseits auch neue Spielfiguren frei.

Mehrspielerqualitäten

Wir möchten hier nicht zu viel verraten, aber einer der wohl beliebtesten Bösewichter der Reihe ist auch hier wieder mit von der Partie. Jeder spielbare Charakter verfügt dabei über unterschiedliche Waffen, was für genügend Abwechslung und Differenzierung unter den Spielern sorgen dürfte. Der Titel lässt sich nämlich kooperativ (wahlweise lokal oder online mit Freunden, sowie unbekannten Spielern) bestreiten und entfaltet in diesem Fall dann auch sein volles Potential. Zusammen mit einem weiteren Spieler kann man sich weitaus besser gegen die infizierten Horden wehren, doch leider verfügt der Titel online über keine Chat- oder Sprachfunktion, weshalb das Absprechen in vereinzelten Situation nicht immer so gut wie vielleicht erwartet funktioniert. Trotzdem kann man die Mehrspielerqualitäten nicht von der Hand weisen, denn wenn man einen Mitspieler vor dem Ableben beschützen muss, macht die Action-Orgie gleich doppelt so viel Spaß, zumal man nun gemeinsam für einen möglichst guten Highscore agieren muss.

Monotones Gameplay

Optisch gehört The Mercenaries 3D zu den hübschesten Nintendo-3DS-Spielen, die wir bis heute gesehen haben. Die mit auf der Cartridge liegende Demo zum kommenden Resident Evil: Revelations legt grafisch noch eine Schüppe drauf und bezaubert mit noch schöneren Licht- und Schatteneffekte, als es The Mercenaries 3D tut. Der Soundtrack ist zwar gut, aber nur sehr selten zu hören, da Soundeffekte wie das Stöhnen der Gegner und die Geräusche der Ballermänner das Geschehen meistens übertönen. Auch wenn es im Spiel genügend Waffen, Items und unterschiedliche Charaktere gibt, ist das Gameplay dadurch nicht weniger monoton – mehr als das Töten von und Fliehen vor Monstern bietet der Titel nicht. Erfolgssüchtige Spieler freuen sich dafür aber über Medaillen, die es für das Erfüllen diverser Aufgaben, wie etwa dem Erreichen eines hohen Combo-Zählers zu gewinnen gibt. Das kann den einen oder anderen Spielertypen motivieren, aber für den eigentlichen Spielfluss hat das System keine Bedeutung. Einzelspieler werden mit dem Titel nicht dauerhaft glücklich werden, aber wer gerne und viel mit Freunden online spielen möchte (und im besten Falle noch Skype am PC oder auf dem Smartphone nebenher laufen hat), erhält mit Resident Evil: The Mercenaries 3D einen unterhaltsamen Action-Titel für jede Gelegenheit!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mir hat Resident Evil: The Mercenaries 3D nur bedingt Spaß gemacht. Während mir alleine aufgrund des monotonen Gameplay relativ schnell langweilig wurde, konnte mich der Titel aber online absolut begeistern. Es macht zusammen einfach mehr Spaß, da man sich im besten Falle auch gegenseitig den Rücken freihalten kann und man nicht unbedingt ständig in Bewegung sein muss. Hier merke ich auch deutlich, dass es dem 3DS bei diesem Spiel eindeutig an einem zweiten Schiebepad mangelt, mit dem man sich prima hätte in der Umgebung umsehen können. In The Mercenaries 3D sind leider nur 180-Grad-Drehs möglich, was aber nur beim Wegrennen vor den Gegnern tatsächlich zum Einsatz kommt. Dafür gefällt mir wiederum die facettenreiche Auswahl an Waffen und Items, die das Spiel durchaus stark bereichern. Bei den unterschiedlichen Charakteren hätte ich mir aber wirklich mehr Abwechslung versprochen, als der Titel mit seinem monotonen Gameplay tatsächlich bietet. Die Action-Orgie ist zumindest ein wunderbarer Lückenfüller, wenn man mal etwas länger auf den Bus warten muss oder man zwischenzeitlich einfach mal eine Runde zocken möchte, die Zeit für ein ausgiebiges Rollenspiel aber nicht reicht. Trotzdem möchte ich Einzelspielern vor dem Kauf eher abraten, doch Vielspieler und vor allem Freunde von kooperativen Online-Spielen werden mit Resident Evil: The Mercenaries 3D einen anspruchsvollen Titel finden und dann nicht nur für zwischendurch!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Resident Evil: The Mercenaries 3D!

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Review: Driver: San Francisco

In den vergangenen Jahren verschwand die einst erfolgreiche Driver-Serie immer mehr in den Hintergrund. Experimente, etwa wie in einem Teil der Grand-Theft-Auto-Reihe unterwegs zu sein und mit Waffengewalt Missionen zu erledigen, scheiterten. Mit Driver: San Francisco kehrt die Spielserie mit alter Stärke und einer innovativen Idee auf die Mattscheibe zurück.

Endlich ist Charles Jericho gefasst! Der Schwerverbrecher und John Tanners ärgster Feind ist hinter Schloss und Riegel. Tanner ist aber erst vollends davon überzeugt, wenn er tatsächlich ins Gefängnis transportiert wurde und verfolgt den Gefangenentransport vom Steuer seines Autos aus. Plötzlich ändert sich alles, denn Jericho kann entkommen und macht Jagd auf den Beamten und auf Tanners Partner Tobias Jones. Nach einem fürchterlichen Verkehrsunfall ist es noch nicht ganz um Tanner geschehen, denn dieser erblickt das Licht der Welt in einem ganz neuen Licht. Er merkt, dass ihm der Unfall die Möglichkeit beschert hat, in den Körper eines fast jeden Verkehrsteilnehmers zu wechseln. Jones glaubt ihm natürlich kein Wort, doch bereits nach dem in den Story-Modus eingebundenen Tutorial, ist auch er von unserer neuen Gabe überzeugt. Zwischen den einzelnen Stadtmissionen, die wir im Story-Modus übrigens allesamt lösen müssen, um im Spielverlauf voranschreiten zu können, wird die Handlung über Tanner und Jericho spannend und in den Dialogen mit viel Wortwitz vorangetrieben. Die Geschichte um Tanner und Jericho zieht sich über acht Kapitel, sowie einem Pro- und einem Epilog. Zwar mag die Handlung nicht auf Realismus getrimmt sein, doch wird sie für sich genommen logisch und weitestgehend plausibel erklärt, denn wir schon sehr bald feststellen werden, ist in Driver: San Francisco nicht alles so, wie es scheint.

Bisher bei Driver: San Francisco

Bevor sich ein Kapitel dem Ende nähert, wird uns immer wieder ein Video gezeigt, welches die bisherigen Geschehnisse kurz und bündig zusammenfasst. Das mag zwar das Niveau einer Fernsehserie haben, aber wir verstehen nicht, warum man sich nicht darauf geeinigt hat, solch ein Video am Anfang des jeweiligen Kapitels einzuordnen. Trotzdem passen solche Einspielungen sehr gut zum Spiel und sind besonders dann hilfreich, wenn wir längere Zeit nicht mehr in den Titel reingeschaut haben und wir nicht nochmals von vorne anfangen möchten, um die Story voll und ganz verstehen zu können. Der wichtigste Bestandteil von Driver: San Francisco ist allerdings das so genannte Shiften. Mit dieser Spezialfähigkeit können wir im laufenden Spiel von einem Auto ins nächste springen, ohne dabei nervige Ladezeiten in Kauf zu nehmen. Das System hat den Nutzen, dass wir uns in den verschiedenen Situationen klare Vorteile sichern können. Verfolgen wir beispielsweise einen Kriminellen durch die Straßen von San Francisco und können ihn einfach nicht einholen, shiften wir ganz einfach in ein anderes Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn. Anschließend peilen wir das Auto unseres Gangsters an und provozieren einen frontalen Zusammenstoß – das Ziel ist ausgeschaltet und die Mission erfüllt. Ähnliches dürfen wir natürlich auch bei einem Straßenrennen ausprobieren, denn wenn (bis auf uns) kaum ein Fahrer mehr am Rennen teilnimmt, ist die Ziellinie schon viel eher in greifbarer Nähe.

Die Straßen von San Francisco

Die Missionsvielfalt ist jederzeit gewährleistet, denn immer werden uns andere Geschichten aufgetischt, die sich vom Gameplay her grundsätzlich aber recht ähnlich spielen. Mal möchte ein Kamerateam mit von uns inszenierten Stunts versorgt oder ein Rennen für zwei Brüder gewonnen werden. Hin und wieder schlüpfen wir auch in die Rolle eines Kleinganoven und müssen und heiße Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern. In solchen Situationen ist es uns dann natürlich nicht möglich, ständig hin und her zu shiften, denn die Ordnungshüter haben nur Augen für das Fahnungsfahrzeug, nicht jedoch für uns! Mit zunehmendem Spielverlauf erweitern wir die Stadt an der Westküste der Vereinigten Staaten nicht nur um ihren Fuhrpark, sondern um weitere Gebiete, die es zu befahren gilt. Dementsprechend tauchen auch immer mehr Herausforderungen auf, die wir optional bewältigen dürfen. Darunter fallen Aufgaben, wie über fünfzig Meter durch die Luft zu fliegen oder vierzig Meter zu driften. Für alle Aktionen, die wir in Driver: San Francisco tätigen, erhalten wir Erfahrungspunkte, die wir in neue Autos investieren dürfen oder unsere Spezialfähigkeiten verbessern dürfen. Das motiviert uns, auch abseits der Story durch die Straßen der Stadt zu spuken und unsere Fahrkünste zu entwickeln. Essentiell sind davon aber keine Aufgaben – wir haben den eigentlichen Story-Modus auch mit Erfüllen einiger weniger Missionen abschließen können.

Und: Action!

Haben wir nach Abschluss der Handlung immer noch nicht genug vom Spiel gesehen, dürfen wir uns auch selbst als Regisseur beteiligen und die Videos ins Internet hochladen. Dazu ist es allerdings erforderlich, dass wir das Spiel mit einem uPlay-Passport (auf der PlayStation 3) in unserem uPlay-Konto aktivieren beziehungsweise registrieren. Selbiges gilt ebenfalls für die restlichen Online-Modi des Spiels, doch dazu gleich mehr. Um ein Video zu erstellen, können wir nur die letzten drei Minuten des Spiels bearbeiten, die wir erlebt haben. Das ist ein wenig schade, zumal die Schneidearbeit mit dem Videomaterial unnötig fummelig ausfällt. Es ist trotzdem interessant zu sehen, wie unser Fahrstil aus einer anderen Perspektive aussieht. Das Feature ist auf jeden Fall eine nette Bereicherung für das Spiel, welches sicherlich seine Fans finden wird. Die verschiedenen Multiplayer-Optionen finden wir online (offline ist das Spiel im Splitscreen zu spielen) hingegen noch ein ganzes Stück interessanter. Hier schalten wir der Reihe nach neue Spielmodi frei, etwa Rennen (in denen wir nicht shiften dürfen) oder den Modus Verhaftung, der uns ganz besonders gefallen hat. Hier übernimmt ein Spieler die Rolle eines Transporters, der Medikamente in einem bestimmten Zeitraum an eine gewisse Anzahl an Ziele ausliefern muss, während alle anderen Spieler in Streifenwagen hinter diesem herdüsen. Leider stellt sich in unserem Test heraus, dass Polizisten shiften dürfen und der Dealer nicht. Das ist teils recht unfair und hätte in der Qualitätssicherung auffallen müssen.

Flüssiges Spielgeschehen

An einigen Ecken und Enden sollte das Entwicklerteam dann vielleicht doch ein paar Verbesserungen in den Online-Modus einführen, der uns bisher relativ gut gefallen hat und Langzeitspaß, auch nach Absolvieren der Story, bietet. Es ist allerdings eine Schande, dass wir uns zwangsweise solch ein Konto anlegen müssen, um online spielen zu können – zumal bestehende Ubisoft-Konten aus der Vergangenheit wohl kommentarlos in ein uPlay-Konto umgewandelt wurden und wir nicht mehr den Benutzernamen ändern konnten. Schwach. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber definitiv zufriedengestellt. Optisch macht das Spiel auf jeden Fall eine gute Figur, auch wenn er nicht mit Titeln wie Forza Motorsport 4 mithalten kann. Das heißt auch, dass das Schadensmodell und die Kollisionsabfrage nicht immer genau sind. So wurden wir im Test oft von der Straße abgedrängt, wenn uns jemand von hinten heftig gerammt hat. Andersherum verlor der Computer nicht die Kontrolle über sein Fahrzeug und stattdessen wurden wir (in derselben Fahrzeugkonstellation!) in den Graben gedrängt – unfair. Außerdem halten sich die Verkehrsteilnehmer in San Francisco anscheinend oft nicht an die Verkehrsregeln. Insbesondere beim Abbiegen einiger Fahrzeuge fehlt uns der Blinker, weshalb wir sehr oft in ein vor uns fahrendes Auto hineingerast sind. Dafür wird das Geschen durchgehend flüssig dargestellt. Schade nur, dass die Entwickler auf einen Tag-Nacht- oder gar Wetterzyklus verzichtet haben. San Francisco bei Nacht und Nebel zu sehen, wäre sicherlich atemberaubend schön gewesen.

Driver ist zurück

Akustisch gibt es hingegen einiges auf die Ohren. Der Soundtrack von Driver: San Francisco bietet nicht nur eigens komponierte Tracks, um die Action zu unterlegen, sondern sogar ein ganzes Radio lauter ins Spiel passender Songs. Von Coldcuts Everything is under control bis hin zu The Noisettes Don’t give up ist alles mit dabei, was das Fahren durch San Francisco angenehm bereichert. Die Steuerung der einzelnen Fahrzeuge fällt dabei recht unterschiedlich aus. Während sich Busse sehr langsam und relativ unkontrolliert spielen lassen, fühlen sich stattdessen schicke Sportwagen umso agiler an. Um das Maximum herauszuholen, ist es sehr wichtig, voll und ganz auf den dichten Straßenverkehr zu achten. Sehr oft stehen wir nämlich unter Zeitdruck und das Ziel ist nur zu erreichen, wenn wir den anderen Verkehrsteilnehmern geschickt ausweichen und vernünftig um die Kurven driften. Letzteres fällt in Driver: San Francisco anfangs sehr gewöhnungsbedürftig aus, doch schon nach kurzer Zeit funktioniert dies hier schon wesentlich besser, als im aktuellen Konkurrenten Need for Speed: The Run, wo wir es auch am Ende des Spiels nur mit Mühe und Not geschafft haben. Obwohl der Titel für sich genommen mit einer ordentlichen Technik und einem innovativen Shift-System punkten kann, verstehen wir die Logik des letzt genannten Features oft nicht. John Tanner, ein Polizist, liebt es anscheinend, das Leben Unschuldiger zu opfern, um sein Ziel zu erreichen. Die Auflösung der Shift-Funktion stellt sich wiederum dagegen, doch weiß der Charakter das bis zu jenem Zeitpunkt nicht. Das hätte Ubisoft auffallen müssen. Trotzdem ist Driver: San Francisco bis auf wenige (recht unfaire) Momente ein tolles Spiel, das sich nicht nur Driver-Fans anschauen dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Es ist jetzt bestimmt zehn Jahre her, seitdem ich das letzte Mal Driver auf der PlayStation und dem PC gespielt habe. Damals kam ich nur mit Mühe und Not über das Tutorial hinaus, welches wirklich sehr kompliziert ausgefallen ist. Das ist zum Glück bei Driver: San Francisco nicht mehr der Fall, denn hier ist der Einstieg angenehm einfach gehalten, die nachfolgenden Missionen hingegen nicht. Es ist teilweise sehr schwierig, die Aufgaben ohne zu schummeln zu meistern. Mit Schummeln meine ich das Shiften, denn bei einem Rennen würde ich mich gerne selbst auf mich verlassen, doch besonders das letzte Rennen ist ohne Shiften meiner Meinung nach nicht zu schaffen. Auch im Online-Modus Verhaftung könnte ich gut und gerne auf das Feature verzichten, um die Atmosphäre glaubhafter zu gestalten. Trotzdem finde ich die neuen Funktionen toll, da sie Abwechslung in dem mittlerweile recht drögen Rennspielalltag bringen. So hat mir besonders die Mission gut gefallen, wo ich in fünf Autos quer verteilt über San Francisco shiften musste, um fünf Bomben an fünf verschiedenen Orten zu entschärfen. Die Missionsvielfalt ist zudem das Highlight des Spiels, denn nicht nur die Aufgaben, wie etwa einen Truck stets über 95 Stundenkilometer zu halten, bevor dieser explodiert, sind ansprechend, sondern auch die Stories dahinter. Illustre Gestalten in Verbindung mit John Tanners Humor sind einfach eine Nummer für sich. Obwohl Driver: San Francisco ein paar Macken hat, kann ich das Spiel am Ende jedoch empfehlen, da mir zumindest der Online-Modus gleich noch mal so viel Spaß gemacht hat.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Driver: San Francisco!

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